Diabetische Retinopathie

Was ist Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine Netzhauterkrankung des Auges als Folge der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Der Diabetes ist eine schleichende Stoffwechselerkrankung, bei der infolge einer erhöhten Blutzuckerkonzentration über Jahre hin immer mehr Veränderungen an den Blutgefäßen im ganzen Körper auftreten. Grund der erhöhten Konzentration des Blutzuckers ist, dass der kleinste Zuckerbaustein (Glukose) nicht ausreichend aus der Blutbahn in die Körperzellen aufgenommen werden kann, um dort weiter abgebaut zu werden. Ursache dafür ist ein Mangel an einem Hormon (Insulin), welches für die Aufnahme der Glukose in die Körperzellen verantwortlich ist. Die Zuckerkrankheit kann schon bei Kindern und Jugendlichen oder jüngeren Erwachsenen bzw. als Alterszucker auftreten. Diabetes schädigt auf Dauer die Blutgefäße und führt neben Nieren- und Nervenschäden sowie Herz- Kreislaufproblemen auch zu Schädigungen der Netzhaut. Durch die hohe Zuckerkonzentration im Blut verändern sich die winzigen Blutgefäße der Netzhaut (Retina), was mit der Zeit zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen führen kann. Diese Folgekrankheit des Diabetes mellitus nennt man diabetische Retinopathie.

Diabetische Netzhauterkrankungen entwickeln sich in der Regel schleichend und oftmals zunächst unbemerkt. Im Durchschnitt treten sie nach 10 bis 12 Jahren Diabetes auf. Bei schlechter Zuckereinstellung können sie deutlich früher, bei guter Einstellung auch deutlich später entstehen. Bei schwerwiegenden Verläufen führen sie jedoch zu starkem Sehverlust bis hin zur Erblindung, vor allem dann, wenn sie gar nicht oder erst sehr spät behandelt werden. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und ein rechtzeitiger Behandlungsbeginn sehr wichtig zum Erhalt des Augenlichtes. Derzeitige Therapien können den weiteren Verlauf der Erkrankung verzögern, in vielen Fällen sogar stoppen. Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung durch den Augenarzt ist für Diabetiker deshalb besonders wichtig.

Diabetesbedingte Netzhauterkrankungen sind in Europa und Nordamerika die häufigste Erblindungsursache bei Menschen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren.

Welche Formen der Diabetischen Retinopathie gibt es?

Der Augenarzt kann verschiedene Stadien der Diabetischen Retinopatie unterscheiden:
 

Nichtproliferative Retinopathie

Treten erhöhte Blutzuckerwerte über einen langen Zeitraum hinweg auf, wie dies bei Diabetes der Fall ist, so kommt es zu einer zunehmenden Schädigung der Gefäßwände. Es kann zu feinen Ausbuchtungen der Gefäßwände kommen (Mikroaneurysmen). Platzen kleine Äderchen, so kann man in der Netzhaut typische punktförmige Einblutungen erkennen. Diese Form der diabetischen Retinopathie wird auch als nicht proliferative Retinopathie bezeichnet. "Nicht proliferativ" bedeutet, dass noch keine neugebildeten Blutgefäße wachsen. Oft ergeben sich in diesem Stadium noch keine oder nur leichte Sehstörungen, die gut behandelt werden können. Augenärzte unterscheiden hier wiederum in drei Stadien: die Milde, die Mäßige und die Schwere nichtproliferative Retinopathie, wobei die letztere Ausprägung ein großes Risiko zum Übergang in eine proliferative Retinopathie beinhaltet.
 

Proliferative Retinopathie

Unbehandelt kann der beschriebene Prozess der Gefäßveränderungen fortschreiten und zu einer Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff führen. Das regt das Wachstum von neuen Blutgefäßen an, die auch in den Glaskörper hineinwachsen können. Die neuen Blutgefäße führen in der Regel nicht zu einer besseren Sauerstoffversorgung der Netzhaut, sondern platzen leicht, und es kommt zu Einblutungen in den Glaskörper. Die Betroffenen sehen dann alles verschwommen, wie durch einen Schleier. Diese sehr viel schwerwiegendere Form der Erkrankung kann bis zur Erblindung führen. Auch bei dieser Form der Diabetischen Retinopathie werden verschiedene Ausprägungen unterschieden. Von der beginnenden proliferativen Retinopathie spricht man, wenn irgendwo in der Netzhaut eine beginnende Gefäßneubildung sichtbar ist. Handelt es sich jedoch um Gefäßneubildungen an der Papille bzw. in mehr als zwei Quadranten so liegt eine schwere proliferative Retinopathie vor.
 

Diabetische Makulopathie

Wird durch den Diabetes der sogenannte gelbe Fleck (Makula), der Ort des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut geschädigt, spricht man von einer diabetischen Makulopathie. Ist dieser wichtige Netzhautbereich, der u. a. für das Fixieren und das scharfe Sehen entscheidend ist, von den diabetesbedingten Gefäßveränderungen betroffen, so droht eine Zerstörung der zentralen Sehzellen, was zur Sehminderung mit Verlust der Lesefähigkeit bis sogar zur weitgehenden Erblindung führen kann. Bei der diabetischen Makulopathie ist vor allem die Undichtigkeit der geschädigten Netzhautgefäße ein wesentliches Problem, wodurch es zu einer chronischen Schwellung der Makula, dem sogenannten Makulaödem kommt. Diese Netzhautschwellung beeinträchtigt die Sehfunktion und verstärkt die Durchblutungsstörung der Makula. Mit zunehmender Dauer des Ödems führt dies zur unwiderbringlichen Schädigung der zentralen Netzhaut mit bleibendem Sehschärfenverlust. Wird das Fortschreiten der diabetischen Retinopathie bzw. der diabetischen Makulopathie nicht durch entsrpechende Therapien eingeschränkt, ist das Augenlicht akut gefährdet.

Welche Symptome hat man bei Diabetischer Retinopathie?

Dem Diabetiker bleiben die sein Sehvermögen bedrohenden Veränderungen lange Zeit verborgen. Meist bemerken die Patienten eine Sehminderung, wie  verschwommenes oder verzerrtes Sehen, blinde Flecken oder auch einen totalen Sehverlust erst, wenn die Diabeteserkrankung die Sehzellen in der Netzhautmitte  (Makula) schädigt, oder es zu sehbeeinträchtigenden Komplikationen infolge der proliferativen Retinopathie, wie z. B. Blutungen in den Glaskörper, gekommen ist. Um das Sehvermögen möglichst uneingeschränkt zu erhalten, ist es dann allerdings häufig zu spät. Daher sollte jeder Diabetiker gleich zu Beginn seiner Erkrankung  seinen Augenarzt aufsuchen. Danach ist eine mindestens jährliche augenärztliche Kontrolle auch bei gutem Sehvermögen unbedingt notwendig.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei der Diabetischen Retinopathie?

Allgemein gilt: je früher die diabetische Netzhaut-Erkrankung erkannt wird, und je eher die Behandlung einsetzt, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Bei Diabetikern sollte deshalb regelmäßig eine augenärztliche Kontrolle erfolgen; einmal im Jahr, wenn noch keine Schäden an der Netzhaut bestehen, und alle drei bis sechs Monate, wenn bereits Anzeichen einer diabetischen Netzhauterkrankung erkennbar sind.

Der Patient kann selbst entscheidend zu einem günstigen Verlauf der Erkrankung beitragen: durch ein normales Körpergewicht, Verzicht auf Nikotin- und übermäßigen Alkoholgenuss und Einhalten der Diät-Empfehlungen. Die bestmögliche Einstellung der Blutzucker-, Blutdruck- und Bluttfettwerte ist eine wichtige Voraussetzung zum Schutz gegen eine sehmindernde diabetische Retinopathie. Aber auch bei idealem Therapieverlauf lässt sich die Erkrankung der Netzhaut nicht immer verhindern.

Ist der Augenhintergrund vom Diabetes betroffen, kann eine Sehverschlechterung in vielen Fällen durch eine Laserbehandlung verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden. Bei Auftreten eines diabetischen Makulaödems kann durch regelmäßige Injektionen mit so genannten VEGF-Inhibitoren (Antikörper, die das Gefäßwachstum unterbinden) oder durch Kortisonimplantate behandelt werden. Je früher Gefäßveränderungen durch den Augenarzt erkannt und behandelt werden, umso sanfter kann die Behandlung sein und umso besser sind die Ergebnisse.
Ist die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten, dass mit dem Laser eine effektive Behandlung alleine nicht mehr möglich ist, steht ein Operationsverfahren, die Viktrektomie, zur Verfügung. Dabei wird der Glaskörper sowie das in das Augeninnere ausgetretene Blut und ggf. Narbengewebe entfernt und das Auge kann meist noch vor der völligen Erblindung bewahrt werden.